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Die 4 Handlungsfelder des Smart Meter Rollouts. Was ist zu beachten?

Geschrieben von Markus Nieroda am 19.03.20 09:44

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Der gesetzliche Rahmen zum Smart Meter Rollout

Der lang erwartete Startschuss für den verpflichtenden Einbau von intelligenten Messsystemen (iMSys) ist durch die am 31.01.2020 veröffentlichte, positive Markterklärung des Bundesamts für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) gefallen.

Das Kriterium für den Startschuss ist mit dem bestehenden Angebot an intelligenten Messsystemen auf dem Markt von drei voneinander unabhängigen Unternehmen gegeben. Damit einhergehend tritt nun der verpflichtende Einbau dieser Systeme in Kraft – zunächst für größere Verbraucher mit einem Jahresstromverbrauch zwischen 6.000 und 100.000 kWh. Drei Jahre haben die grundzuständigen Messstellenbetreiber nun Zeit um 10% ihrer Pflichteinbauten auf die neue Technologie umzurüsten.

Der Status Quo bei den deutschen Energieversorgungsunternehmen

Vor allen Dingen die großen EVU (> 100.000 Zählpunkte) und zum Teil auch die mittelgroßen EVU (zwischen 30.000 und 100.000 Zählpunkte) haben erste Pilotprojekte im Kontext Smart Metering erfolgreich gestartet oder bereits durchgeführt. Weit geringer ist die Anzahl von Unternehmen, die bereits tatsächlich iMSys im produktiven Einsatz haben. Ein ähnliches Bild ergibt sich bei der Rollout Planung und bei der Vorbereitung von Betriebskonzepten. So stecken beispielsweise die Überlegungen zu obligatorischen und zusätzlichen Kundenservices oder zur Nutzung der CLS-Funktionalitäten zum Schalten oder Fernauslesung von Anlagen noch in den Kinderschuhen oder wurden noch gar nicht betrachtet.   

Primär stehen alle Energieversorger vor der Herausforderung den Rollout mit der für sie richtigen Kunden- und Wettbewerbsstrategie zu planen und logistisch effizient umzusetzen.

Die Handlungsfelder für einen gelungenen Smart Meter Rollout  

Es gibt verschiedene Dimensionen und Handlungsfelder, die hierbei eine Rolle spielen und die einen direkten Einfluss auf die Erreichung der anvisierten Ziele haben:

  • Rolloutstrategie und -planung: Besteht eine klare Rolloutstrategie und wurden bei diesen Überlegungen die Kunden unter Berücksichtigung der individuellen Markt- und Wettbewerbsbedingungen priorisiert? Wurde diese Strategie im Rahmen der Rolloutplanung logistisch effizient umgesetzt?
  • Logistik und Supply Chain: Wurde eine Sourcing-Strategie für die Beschaffung, Lagerung und Montage der iMSys entwickelt und werden dabei die Anforderungen an Sicherheit, Verfügbarkeit, Qualität etc. erfüllt?
  • Kundenkommunikation: Werden die gesetzlichen Kommunikationspflichten erfüllt und welche Kommunikationskanäle und Services werden dem Kunden nach dem Einbau des Messsystems geboten?
  • Gerätemanagement: Sind die genutzten Systeme für die Verwaltung und Betrieb der Geräte definiert und bereits passend in die IT-Architektur integriert? Sind die Schnittstellen mit externen Marktteilnehmern bereits spezifiziert?

Smart Meter Rollout Ausblick

Es ist abzusehen, dass die Digitalisierung im Messwesen die Unternehmen vor große, kurzfristige Herausforderungen stellt. Damit die „Kür“ der Digitalisierung durch die Schaffung echter Kundenmehrwerte gelingt, muss zunächst die „Pflicht“ durch die Erfüllung obligatorischer prozessualer und kommunikativer Aufgaben in vielen Handlungsfeldern überhaupt erst gestartet und erreicht werden. Wenn dies aber gelingt, ergeben sich für die Stadtwerke und EVU vielfältige Chancen in der fortschreitenden Digitalisierung und ggf. auch beim Aufbau völlig neuer Geschäftsfelder zur weiteren Differenzierung am Markt.

Themen: Digitalsierung, Smart Metering, iMSys, Smart Meter Rollout, Messwesen

Geschrieben von Markus Nieroda
Markus Nieroda ist als Projektmanager und stellvertretender Leiter unseres Bereichs Strategy & Transformation Consulting für die strategische und konzeptionelle Beratung von Entscheidern auf Top-Level-Ebene sowie die Gestaltung und Moderation von Veränderungsprozessen unserer Kunden verantwortlich. Sein vielfältiges Einsatz- und Erfahrungsspektrum reicht vom strategischen Prozessmanagement, über die Durchführung komplexer Reorganisations- und Effizienzsteigerungsprojekte bis zum Management von Kooperations- und Fusionsprojekten.
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